29.10.2026
Was braucht es, um einen sicheren Arbeitsplatz gegen eine ungewöhnliche Geschäftsidee einzutauschen? Fachwissen, Ausdauer – und eine gehörige Portion Mut. Anja Kolbe-Nelde von Thüringer Trüffelanbau verbindet diese Eigenschaften mit einer Leidenschaft, die schon in ihrer Kindheit begann: der Begeisterung für Pilze. Am 29. Oktober 2026 war sie bei unserem Rotary Club Erfurt-Krämerbrücke zu Gast. Ein Clubabend zwischen Unternehmertum, Forschung und Genuss.
Vom „sicheren Bank“-Job zur Pilzfarm
Trüffel aus Thüringen? Was zunächst ungewöhnlich klingt, ist für Anja Kolbe-Nelde eine unternehmerische Perspektive. Dafür hat sie ihren sicheren Arbeitsplatz in einer Bank aufgegeben und ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Aus einer zunächst nebenberuflich aufgebauten Pilzfarm entwickelte sie ein Unternehmen, dessen Schwerpunkt heute auf dem Trüffelanbau liegt.
Dabei verlief ihr Weg keineswegs geradlinig. In einem Interview mit der Thüringer Aufbaubank berichtet sie offen von den Herausforderungen der Anfangszeit: Die Pilzzucht brachte zunächst keine kontinuierlichen Einnahmen. Bewässerung, Temperatur und weitere Einflussfaktoren mussten erst verstanden und aufeinander abgestimmt werden. Ihre Geschichte zeigt, was hinter einer ungewöhnlichen Geschäftsidee steckt: nicht nur Begeisterung, sondern auch die Bereitschaft, dazuzulernen und die eigenen Vorstellungen an der Realität zu prüfen.
Ein verborgener Schatz braucht Wissen und Geduld
Beim Trüffelanbau treffen Natur und Forschung unmittelbar aufeinander. Gemeinsam mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Forschungseinrichtungen in Italien und Frankreich arbeitet Kolbe-Nelde daran, die Bedingungen für die Kultivierung zu verbessern. Im Mittelpunkt steht das „Thüringer Modell“: Junge Bäume, darunter Haselnuss, Eiche und Buche, werden gezielt mit Trüffelpilzen verbunden. Diese Gemeinschaft von Pilz und Pflanzenwurzel wird als Mykorrhiza bezeichnet.
Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Trick, sondern das Zusammenspiel vieler Faktoren – vom Standort über die Bodenfeuchte bis zur Baumart. Und es braucht Geduld: Selbst bei dem weiterentwickelten Verfahren vergehen nach Angaben der IHK Erfurt rund fünf Jahre bis zu den ersten Trüffeln. Unternehmertum bedeutet hier ganz wörtlich, heute etwas zu pflanzen, dessen Ertrag erst Jahre später sichtbar wird.
Aus einer Nische wird eine regionale Perspektive
Kolbe-Neldes Vorhaben reicht über den Anbau hinaus. Ihr Ziel ist eine regionale Wertschöpfungskette, die Forschung, Kultivierung und Verarbeitung ebenso umfasst wie Beratung, Bildung, Vermarktung und touristische Angebote. Der Trüffel soll nicht nur eine Delikatesse sein, sondern auch neue wirtschaftliche Möglichkeiten für Thüringen eröffnen.
Für ihren Ansatz erhielt sie bereits den AgraNova-Innovationspreis 2022. Beim CERES AWARD 2024 wurde sie als „Unternehmerin des Jahres“ ausgezeichnet. Anerkennung für eine Unternehmerin, die in einem Nischenprodukt Potenzial erkannt hat – und konsequent daran arbeitet, es zu erschließen.
Ein Abend mit Geschmack
Zu unserem Clubabend gehörte auch eine kleine Verkostung. So blieb es nicht beim Blick auf Anbaumethoden und Geschäftsmodelle: Das Thema ließ sich auch kulinarisch entdecken.
Wir danken Anja Kolbe-Nelde für die Einblicke in ihre Arbeit und ihren unternehmerischen Weg. Ihre Geschichte macht deutlich, dass regionale Innovation manchmal dort beginnt, wo man sie zunächst nicht vermutet: unter unseren Füßen.


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